Selbst in den dunkelsten Stunden des Lebens sind die Samen des Friedens, der Freude und des Glückes in uns.


Termin-Kalender

September 2017
<. >. <.. >..
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01. 02. 03.
04. 05. 06. 07. 08. 09. 10.
11. 12. 13. 14. 15. 16. 17.
18. 19. 20. 21. 22. 23. 24.
25. 26. 27. 28. 29. 30.

Legende:

vorgemerkt
 
bestätigt
 
 

Suche

Suche
.

24.12.2010

Warum die Tanne ein Christbaum ist
R. Wiedmann - Aus Waldmärchen - Unter der Ulme 

Die Bäume im Walde haben sich immer viel zu erzählen. Wenn der Wind durch ihre Kronen streicht, dann rauscht es in ihren Zweigen, dann flüstern ihre Blätter und reden miteinander von allem, was sie erlebt haben. So war es auch an einem Abend im Spätsommer. Viele fremde Leute waren im Walde gewesen, aber nun waren sie wieder nach der Stadt gezogen und im Walde war es still geworden. 
"Ach," sagte da eine lange, schlanke Birke zu ihrer Nachbarin, einer struppigen Kiefer, "in der Stadt muss es doch schön sein! Da tragen die Leute so schöne Kleider und schmücken sich mit goldenen Ketten und bunten Perlen." 
"Ja," mischte sich die stolze Buche ins Gespräch, "in die Stadt möchte ich wohl auch einmal; da kann man sogar mit der Elektrischen fahren." - "Woher wisst ihr denn das alles?" fragte neugierig der Ahorn. "Nun", sagte die Eiche, "hast du denn geschlafen den ganzen Sommer? Hast du nie gehört, was sich die Leute aus der Stadt da erzählten, wenn sie unter unserem Blätterdach saßen?" 
Kurz und gut, die Bäume erzählten sich noch allerhand von der Stadt und alle wären zu gern einmal in die Stadt gekommen, am liebsten nach Berlin. Aber wie sollte das möglich sein? 
Da geschah es eines Nachts, dass ein Engelein licht und weiß durch den Wald flog, um die Waldfee zu besuchen. Das war das Christkindlein. "Waldfee," sagte es, "mich dauern die armen Menschen in der Stadt, die gar keine schönen Bäume haben. Ich möchte ihnen zum Christfest einen bringen, er muss aber der schönste Baum im ganzen Walde sein. Kannst du mir wohl einen geben?" - "Gern," sagte die Waldfee, "aber ich weiß nicht recht, welchen. Jeder Baum ist schön und mir gleich lieb, ich möchte keinen dem anderen vorziehen." - "So lass uns die Bäume selber fragen," sagte das Christkindlein. "Wir wollen ihnen sagen, dass der schönste von ihnen in die Stadt soll, dann werden wir ja sehen, wen sie dafür halten." 
So gingen sie zu den Bäumen und sagten es ihnen. Aber da wollte keiner es dem anderen gönnen. Da wurde das Christkindlein traurig und sagte: So muss ich wiederkommen und mir selbst den schönsten aussuchen. In wenigen Wochen reise ich zur Stadt, dann nehme ich ihn mir mit." Und damit flog es von dannen. 
Kaum war es fort, so fing unter den Bäumen ein großer Wettstreit an, sich so schön wie möglich zu schmücken. Der Ahorn zog ein leuchtend gelbes Kleid an, die Buche ein braunes, die Eiche ein rotes, andere flickten sich aus lauter bunten Stoffen ein Kleid zusammen, dass sie aussahen wie ein richtiger Tuschkasten, und das alles so fix und flink, dass, als Christkindchen wiederkam, der ganze Wald in bunten Farben glänzte. Nur ein Baum hatte sein einfaches grünes Kleid behalten, die Tanne. 
Wieder flog Christkindchen durch den Wald und sah sich alle Bäume an. "Ja," sagte es, "eure Kleider sind schön aber ihr müsst eine weite Reise machen und sie müssen lange vorhalten. Ob sie das auch können?" 
"Natürlich!" schrien alle Bäume. Aber da kam ein großer Wirbelwind und zupfte die Bäume alle an ihren bunten Kleiderchen brrr, wie da der ganze bunter Flitterkram in tausend Fetzen ging, und all die gelben und roten und braunen Läppchen durcheinander tanzten, wie sie müde und matt zur Erde fielen! Da standen die Bäume im Walde da mit zerfetzten und zerrissenen Kleiderchen, und ihre ganze Schönheit war dahin. 
Nur die Tanne, die nicht eitel genug gewesen war, ihr grünes Alltagskleid, das der liebe Gott ihr gemacht hatte, gegen bunten Flitterstaat zu vertauschen, stand noch im Schmuck ihrer grünen Nadeln unversehrt. Da sagte das Christkindlein: "Tanne, du bist der schönste Baum im Walde, dich will ich den Menschen bringen. Du sollst der Christbaum sein!" 

Dieser Artikel wurde bereits 4594 mal angesehen.



  • Artikel als PDF
  • Artikel als E-Mail senden
  • Druckversion des Artikels
.