Das Geheimnis, mit allen Menschen in Frieden zu leben, besteht in der Kunst, jeden seiner Individualität nach zu verstehen.


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Das wahre Königreich

Das wahre Königreich

Phil und Sophie sind unzertrennliche Freunde. Eines Tages erzählt Sophie ihrem Freund, dass sie sich auf den Weg machen möchte, um das wahre Königreich zu finden, von dem ihr Opa immer wieder erzählt hat. Dort gibt es keine Angst, keinen Neid und keinen Streit. Das muss wunderschön sein. Phil ist begeistert von der Idee. Doch er kann nicht sofort mitkommen, er muss erst noch einige wichtige Dinge erledigen und natürlich seine Sachen zusammenpacken, auf die er bei so einer Reise ins Ungewisse nicht verzichten möchte. Sophie ist ein wenig enttäuscht, aber sie sagt ganz ruhig und liebevoll zu ihm: „ Ich gehe schon los, ich will nicht warten, aber ich werde Zeichen für dich hinterlassen, damit du mich finden kannst.“ Phil ist zufrieden, er wird sie mit seinen Inlineskatern rasch einholen, und dann können sie die Suche gemeinsam fortsetzen. Nachdem er einige Telefonate erledigt hat, schaut er erstmal im internet, aber unter „wahres Königreich“ ist kein Hinweis zu finden – schade, er hätte Sophie gerne überrascht. Nun holt er seinen Rucksack und packt ein: Unterwäsche, Socken, Pullover, Waschzeug, Taschenmesser, Schnur, Streichhölzer und viele andere nützliche Dinge. Zum Schluss schnappt er seine Inlineskater, und nun geht’s los. Auf der breiten Straße kommt er zügig voran, da kann er es sich leisten, ein Eis zu essen, und vor dem Schaufenster mit den vielen Sportartikeln macht er auch noch halt. Aber da entdeckt er einen Zettel an der Fensterscheibe, ein goldenes Herz ist darauf gemalt, und ein S steht darin. Achja, er wollte sich doch beeilen, um Sophie bald einzuholen. Aber den Katalog mit den neuesten Videos kann er gerade noch mitnehmen. Nach kaum 5 Minuten entdeckt er den nächsten Herzzettel. Oweh, er muss in den Park abbiegen. Das bedeutet, dass er auf die Skater verzichten muss. So ein Mist, dann kommt er nur langsam voran. Da, der nächste Zettel. Das kann doch nicht wahr sein, soll er wirklich diesem schmalen Pfad folgen? Mit einem tiefen Seufzer biegt er ab. Bald wird der Weg so eng und führt durch Gestrüpp, dass Phil sich entschließt, die Skater gut getarnt in ein Versteck zu packen, später wird er sie sich wiederholen. Immer mühseliger wird der Weg. Warum ist Sophie nur nicht auf der Hauptstraße geblieben? Das wäre doch viel einfacher, und mehr Abwechslung gäbe es auch. Mürrisch arbeitet er sich durch die Büsche, die Zettel von Sophie trösten ihn etwas. Weil nichts anderes zu erleben ist, beginnt er, sich das wahre Königreich vorzustellen. Wäre es nicht doch ein wenig langweilig so ganz ohne Streit? Nein, er weiß, wie er immer traurig war, wenn es Streit gab. Es muss sehr schön sein, wenn alle in Harmonie miteinander leben. Aber wer soll dann regieren? Einer muss doch das Sagen haben. Über seinem Nachdenken hat er gar nicht bemerkt, dass es dämmrig geworden ist. So bleibt er denn auch erschrocken stehen, als sich vor ihm ein tiefer Abgrund auftut. Und kein Zettel ist zu sehen, wo soll er weitergehen? Als er sich suchend umschaut, sieht er auf der anderen Seite des Felsspaltes seine Freundin stehen. Mutmachend lächelt sie ihm zu und fordert ihn auf, zu ihr zu kommen. Er hat Angst, die Schlucht ist tief. Doch Sophie hat es ja auch geschafft. Aber sein Rucksack ist hinderlich. Als hätte Sophie seine Gedanken gelesen, ruft sie ihm zu: “Lass doch deinen Rucksack mit all dem Kram drüben liegen, ohne die Last schaffst du es bestimmt.“ Ja, das ist die Lösung. Im wahren Königreich wird er all seine Sachen gar nicht mehr brauchen. Etwas wehmütig und doch mit einer bisher ungekannten Freude legt er den Rucksack beiseite. Nun fühlt er sich leicht und frei genug, den Sprung zu wagen. Als er glücklich auf der anderen Seite bei Sophie angelangt ist, schauen sie sich nur an. Es herrscht eine eigenartige Stille hier, nur das Klopfen ihrer Herzen hören sie. Und eine Stimme, die aus ihnen selbst zu kommen scheint, heißt sie herzlich willkommen am Eingang zum wahren Königreich, das sie nun Hand in Hand betreten.

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